Geschichte

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Stammburg der Schaumburger Grafen ist die Schaumburg auf dem Nesselberg im Weserbergland

Von den Schaumburger Grafen bis zur Gebietsreform

"Grafschaft Schaumburg gegründet!" - Die Nachricht wird sich nicht wie ein Lauffeuer verbreitet haben, es war kein Staatsakt, was sich da Anfang des 12. Jahrhunderts auf der Stammburg der Grafen von Schaumburg abspielte und die Entwicklung im Gebiet zwischen Weser, Steinhuder Meer und Deister entscheidend prägte. Rund achthundert Jahre später hieß es: "Landkreis Schaumburg gebildet". Dazwischen liegt eine wechselvolle Geschichte, in der sich auch die großen Ereignisse der zurückliegenden Jahrhunderte widerspiegeln. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts setzte Kaiser Lothar von Supplinburg den Schaumburger Grafen Adolf I. als Grafen von Holstein ein. Als heraldische Gemeinsamkeit weisen die Wappen von Schleswig-Holstein und des Landkreises Schaumburg heute das Nesselblatt aus, Städte wie die Hansestadt Lübeck und die Landeshauptstadt Kiel gehen auf Schaumburger Gründer zurück.

In langen handfesten Auseinandersetzungen mit den benachbarten Grafen von Roden-Wunstorf, den Herzögen von Sachsen und den Grafen Hallermund, den Grafen von Sternberg und dem Bischof von Minden schuf sich die Landesherrschaft ihre Grafschaft Schaumburg. In alten Karten und Quellen ist auch von "Schaumburg" die Rede. Die Reformation wurde erst 1558 eingeführt, das erste Gymnasium 1610 in Stadthagen gegründet, nach Rinteln verlegt und zur Universität umgewandelt.


Im Jahre 1640, zur Zeit des auch vor der Grafschaft nicht haltmachenden Dreißigjährigen Krieges, hieß es: "Schaumburger Grafenhaus ohne männlichen Erben!" Als Folge langjähriger Erbauseinandersetzungen wurde die Grafschaft zweigeteilt in das Fürstentum Schaumburg-Lippe und die hessische Grafschaft Schaumburg, ein Bestandteil der Landgrafenschaft Hessen-Kassel.

Die künstliche Insel Wilhelmstein erinnert die Besucher des Steinhuder Meeres noch heute an den Grafen Wilhelm, der das Fürstentum von 1748 bis 1777 regierte und neben der militärischen Schulung die Förderung von Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zu seiner Sache machte.

Im Jahre 1918 wurde mit dem Ende der feudalen Ordnung auch das ehemalige Fürstentum Schaumburg-Lippe politisch umgewandelt in das Land Schaumburg-Lippe. Bei aller Demokratie - das Fürstenhaus besteht bis heute, das Bückeburger Schloss ist Residenz geblieben. Das Land Schaumburg-Lippe verlor während der Zeit des Nationalsozialismus seine relative Eigenständigkeit. Es ging 1946 - kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges - im Zuge der Neugliederung des Bundesgebietes im Bundesland Niedersachsen auf. Die Anbindung an Westfalen bleibt einjährige Episode. Die Neugestaltung der kommunalen Ebenen brachte die beiden Landkreise Schaumburg-Lippe und Grafschaft Schaumburg hervor. Erst mit der Niedersächsischen Verwaltungs- und Gebietsreform von 1977 wurden die Hauptgebiete der beiden Kreise zusammengelegt. Der neuentstandene Landkreis Schaumburg mit Sitz in Stadthagen weckt Erinnerungen an die mittelalterliche Grafschaft Schaumburg. Hauptmeyer spricht 1996 gar von einer "schaumburgischen Wiedervereinigung" - Ironie oder Pathos?


Von bösen Buben und guten Geistern

"Max und Moritz", Wilhelm Buschs kleine Bildergeschichte über jene beiden bösen Buben, ihre Streiche und ihr Schicksal kennt man auf der ganzen Welt. 1865 in Wiedensahl, dem Geburtsort des Künstlers, entstanden und zunächst kaum zu vermarkten, wurde das Werk des berühmtesten Schaumburgers allmählich zu einem wahren Bestseller. Busch war - bei aller Umtriebigkeit - seiner Heimat stets verbunden, Zeichnungen und Gemälde zeigen auch heute noch etwas vom dörflichen Leben im 19. Jahrhundert, von Land und Leuten. Seine Karikaturen können immer noch erheitern und nachdenklich stimmen. Das Geburtshaus in Wiedensahl betreibt der Förderkreis Wilhelm Busch Wiedensahl e. V. als Museum.

Dass der Begründer der wissenschaftlichen Geographie auch aus Schaumburg stammt, dürfte nur wenigen Menschen bekannt sein. Anton Friedrich Büsching, 1724 in Stadthagen geboren, gelang es mit seiner "Erdbeschreibung", der Aufklärung wesentliche Impulse zu geben. Einer, der das zu würdigen wusste, war Johann Gottfried Herder, der selbst als Theologe mehrere Jahre in Bückeburg tätig war und sich um das Schulwesen des Fürstentums Schaumburg-Lippe besondere Verdienste erwarb.

Straßennamen, Häuser oder Gedenktafeln erinnern an andere große Geister, die entweder in Schaumburg beheimatet oder nur auf der "Durchreise" waren: Johann Christoph Friedrich Bach, Gerhard Scharnhorst, Franz von Dingelstedt, Börries Freiherr von Münchhausen, Hermann Löns, Lulu von Strauß und Torney und schließlich Agnes Miegel.

Historische Bauten und Siedlungen - reizvolle Landschaft

Die als Gaststätte bewirtschaftete Schaumburg in der Nähe Hessisch-Oldendorfs und andere historische Bauten und Baudenkmäler wie Schloss, Mausoleum und Stadtkirchen in Bückeburg, Schloss, "Amtspforte" und St. Martini Kirche in Stadthagen, das Stift Obernkirchen, der historische Marktplatz in Rinteln und das Kloster Möllenbeck sind nur einige herausragende bauhistorische Zeugnisse (Sehenswürdigkeiten). Die "Straße der Weserrenaissance", von den an der Weser gelegenen Landkreisen 1989 erstmalig ausgeschildert, ist gleichsam Wegweiser für Kunst- und Geschichtsinteressierte.

Aber auch für Naturfreunde und Erholungssuchende hat der Landkreis Schaumburg eine Menge zu bieten. Im Nordosten stößt das Kreisgebiet mit Hagenburg an das Steinhuder Meer, im Süden sind es Weser und Weserbergland, die das Bild der Landschaft prägen. Zu den Ausläufern der Mittelgebirge gehören auch die Bückeberge (361 m), die höchste Erhebung des Landkreises liegt in Goldbeck (375 m). Luftaufnahmen zeigen, dass die Region mit dem Schaumburger Wald und den Bückebergen zwei starke "Lungenflügel" hat. Aber der Landkreis ist auch weiterhin bemüht, größere Gebiete unter Natur- bzw. Landschaftsschutz zu stellen.

Prägend für die Dörfer um Stadthagen ist die noch erhaltene Siedlungsstruktur der sog. Hagenhufendörfer. Die Hagenhufen entstanden beim großzügigen Landesausbau während des 13. Jahrhunderts. Entlang der Bäche und Bachniederungen als Leitlinie wurden die Gehöfte hinter der Straße nebeneinander angelegt. Die Landwirtschaft rodete sich dann auf der anderen Straßenseite systematisch in den Wald hinein, und zwar nur jeweils in Breite der Hofstelle. Hierdurch entstand die für die Hagenhufen typische schmale, handtuchartige Anordnung der Wirtschaftsflächen. Ortsnamen wie Krebshagen, Vornhagen oder Pollhagen erinnern noch an die Zeit der Rodungen in der damaligen Grafschaft Schaumburg.

Wenn Sie Interesse an weitergehenden Informationen über die Geschichte des Landkreises haben, empfehlen wir Ihnen, sich an das Niedersächsische Staatsarchiv in Bückeburg sowie an die Historische Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg zu wenden.