Weserrenaissance - was ist das?

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Der europäische Baustil der Renaissance hat im 16. bis 17. Jahrhundert im Weserraum eine besondere Ausprägung erfahren. Kaum irgendwo sonst in Mitteleuropa wurden in dieser Zeit so viele Renaissance-Bauten errichtet wie im Weserraum zwischen Hann. Münden und Bremen, zwischen Paderborn, Bielefeld und Osnabrück auf dem einen, Alfeld, Wolfsburg und Celle auf dem rechten Flussufer. Besonders an der mittleren und oberen Weser drängen sich die Bauten. Sie sind zum großen Teil erhalten und prägen noch heute die Landschaft.

Eine Voraussetzung für die rege Bautätigkeit zwischen 1520 und 1620 ist die wirtschaftliche Blüte dieser Zeit. Westlich und östlich der Weser werden vom Adel und den Landesherren viele Schlösser neu erbaut oder alte durchgreifend umgestaltet. Überall in Stadt und Land errichten Bürger und Bauern prachtvolle Rathäuser, Wohnhäuser und Gehöfte als Steinbauten oder in Fachwerk-bauweise. Im Bauen drückt sich nicht nur der Wohlstand, sondern auch Macht und Bildung aus.

Die Bautätigkeit im Weserraum ist zur Zeit der Weserrenaissance so stark, dass sie auch Bauhandwerker und bedeutende Baumeister aus anderen deutschen Landen anzieht. Mehr als zwanzig Baumeister der Renaissancearchitektur im Weserraum sind mit Namen und Herkunft durch ihre Meisterzeichen an den Bauten und durch Dokumente in den Archiven bekannt, so Jörg Unkair aus Lustnau bei Tübingen, Carl Tönnies aus Hameln, Johann Robyn aus Ypern in Flandern, Michael Clare aus Schwerin und Weimar.

So ist es beinahe selbstverständlich, dass die Bauweise der Weserrenaissance nicht aus einer isolierten regionalen Tradition entsteht, sondern die europäischen Kulturbeziehungen ihrer Zeit spiegelt. Anderseits gibt es auffallende bauliche Gestaltungsmittel, die im Weserraum stärker als anderswo auftreten und das Bild der Weserrenaissance prägen. Dazu gehören die sogenannten Welschen Giebel (geschwungene Giebel nach italienischem Vorbild), Kerbschnitt-Bossensteine (Quader mit gleichförmigen, kerbenartigen Ornamenten), besonderes Beschlagwerk (als Ornament, besonders an Giebelkanten und Portalen), Streifenputz (Putz in rautenförmiger Schraffur), Fächerrosetten (Halbkreise mit Fächerornamenten), die Utlucht (niederdeutsch für "Auslug", "Ausblick", vom Erdboden ausgehender, erkerartiger Vorbau).

Gründliche Information bietet auch das Weserrenaissance-Museum - Schloss Brake - in Lemgo, das im Jahr der Weserrenaissance 1989 eröffnet wurde.

Es ist keine Frage, dass der Besuch der Bauten der Weserrenaissance, deren Wert in weiten Teilen der Bevölkerung noch viel zu wenig bekannt ist, und die weitere Beschäftigung mit diesen Zeugnissen einer großen Vergangenheit einen persönlichen Gewinn und eine echte Bereicherung bringen kann.

Und somit:

Gute Fahrt zu den Stätten der Weserrenaissance!

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